Biodiversität-Wiki

Als Biodiversität oder biologische Vielfalt wird die Vielfalt an Lebewesen (Arten), die Vielfalt innerhalb der Arten (genetische Biodiversität) und die Vielfalt an Ökosystemen bezeichnet.Biodiversität geht demnach deutlich über den Begriff der Artenvielfalt hinaus.

Das Übereinkommen von Rio de Janeiro 1992 zum Schutz der Biodiversität (Convention of Biological Diversity) ist eine völkerrechtlich verbindliche UN-Konvention. Sie bildet einen Meilenstein in den Bemühungen des internationalen Naturschutzes und hat vor allem folgende Ziele zum Inhalt:

  • Den Erhalt der biologischen Vielfalt (Arten, Ökosysteme, genetische Vielfalt).
  • Die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen.
  • Die ausgewogene und gerechte Aufteilung der sich aus der Nutzung natürlicher Ressourcen ergebenden Gewinne und Vorteile.

Bislang wurde die CBD von 189 Staaten und der Europäischen Gemeinschaft unterzeichnet. Die 9. Vertragsstaatenkonferenz der CBD wird im Mai 2008 in Bonn stattfinden.

Arten sind Gruppen von Lebewesen, die sich durch äußerliche Merkmale und/oder Merkmale des Stoffwechsels und Körperbaus gleichen und gegenüber anderen Arten abgrenzen. Die innerartliche Fortpflanzung bringt fruchtbare Nachkommen hervor, während die Fortpflanzung zwischen verschiedenen Arten nicht möglich ist oder -bei nahe verwandten Arten- unfruchtbare Hybriden hervorbringt.
Bilden Arten räumlich getrennte Fortpflanzungsgemeinschaften, so spricht man von Populationen

Die Anzahl der verschiedenen Arten von Lebewesen lässt sich nicht genau beziffern. Je kleiner die Organismen (bis hin Einzellern), desto geringer ist der Kenntnisstand über ihren wissenschaftlichen Artstatus, ihre Ökologie und Verbreitung. Auch in Bayern kommen wissenschaftlich noch unbeschriebene Arten vor bzw. werden Arten erstmalig für Bayern nachgewiesen.
Nach derzeitigem Kenntnisstand umfasst das bayernweite Artenspektrum der Metazoa (Vielzeller)
3.083 Großpilze,
965 Moose,
1.574 Flechten,
2.533 Farn- und Blütenpflanzen sowie
30.0000 bis 35.000 Tiere.
Die Wirbeltiere (Säugetiere, Brutvögel, Kriechtiere, Lurche, Fische) zählen 380 Arten, d.h. 99 % aller Tierarten gehören zu den Wirbellosen, insbesondere zu den Insekten.

Die Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten, da die Artenvielfalt von der Größe des betrachteten Gebiets, der Vielfalt an Lebensräumen, dem Einfluss des Menschen und anderen Faktoren abhängt.
Oftmals muss diese Frage für bestimmte Tier- oder Pflanzengruppen unterschiedlich beantwortet werden. Besonders artenreich ist z.B. wegen seiner Vielfalt an Lebensräumen und seinem hohen Natürlichkeitsgrad der bayerische Alpenraum. Andererseits kommen zahlreiche Arten aus klimatischen Gründen dort nicht vor. Vorkommenszentren wärmeliebender Arten sind die fränkischen Muschelkalk- und Sandgebiete oder Teile des Frankenjura, während Moor- und Feuchtgebietsarten ihren Verbreitungsschwerpunkt im Alpenvorland haben.
Jede bayerische Region verfügt über Besonderheiten im Hinblick auf Arten und auf die Zusammensetzung von Lebensgemeinschaften.

Die Roten Listen gefährdeter Tier- und Pflanzenarten sind Verzeichnisse von Artengruppen, in denen die Arten nach dem Grad ihrer Gefährdung eingetragen sind. Sie dokumentieren die Überlebens- bzw. Aussterbewahrscheinlichkeit von Arten in einem bestimmten Gebiet, z.B. Bayern, Deutschland oder auch weltweit.
Diese Gefährdungskataloge unterscheiden nach abgestuften Gefährdungskategorien, z.B.

  • ausgestorben oder verschollen (Kategorie 0),
  • vom Aussterben bedroht (Kategorie 1),
  • stark gefährdet (Kategorie 2) oder
  • gefährdet (Kategorie 3).

Aktualisierungen erfolgen in etwa 10-jährigen Abständen.

Derzeit liegen für Bayern folgende Roten Listen vor:

  • Gefäßpflanzen (2003),
  • Großpilze (2009),
  • Moose (1996),
  • Tiere mit 56 tiergruppenbezogen Listen von Säugetieren bis Weichtieren (2003).

Rote Listen sind nicht rechtsverbindlich.

Die aktuelle Rote Liste gefährdete Tiere Bayerns (2003) bewertet im Hinblick auf ihre Gefährdungssituation ca. 16.000 Arten, d.h. etwa die Hälfte der heimischen Fauna.
Von diesen bewerteten Arten wird wiederum etwa die Hälfte als mehr oder minder bedroht eingeschätzt.
Überdurchschnittliche hohe Anteile gefährdeter Arten weisen z.B. Kriechtiere (70%), Ameisen (68 %), Lurche (63 %) , Heuschrecken (61 %) und Tagfalter (60 %) auf.
Von den 2.727 einheimischen Gefäßpflanzen in Bayern sind 1.438 Arten (53 %) aktuell in ihrem Fortbestand bedroht.
Die Rote Liste der Moose differenziert in die Teile A (Alpen und Alpenvorland) und B (übriges Bayern). Von den insgesamt 901 Arten sind in A 413 Arten (46 %) aktuell und wahrscheinlich gefährdet, im übrigen Byern sind es 464 Arten (52 %).
Von den in Bayern vorkommenden 3083 bewerteten Großpilzen stehen 1.304 Arten (42 %) auf der Roten Liste.

Die Rote Liste gefährdeter Tiere Bayerns (2003) nennt 915 Arten (6 % der bewerteten Arten) in der Gefährdungskategorie „Ausgestorben oder verschollen“.
2/3 diese Arten stammen aus den artenreichen Insektenordnungen Käfer und Schmetterlinge.
Ein geraumer Teil dieser Arten ist lediglich als „verschollen“ zu werten, d.h. sie wurden in den letzten Jahrzehnten – teilweise trotz Nachsuche – nicht mehr nachgewiesen, könnten aber durchaus noch Vorkommen aufweisen.
Glücklicherweise fördern intensive Untersuchungen immer wieder als verschollen eingestufte Arten zutage. Beispiele für seit 1990 in Bayern (aber nicht weltweit) ausgestorbene Arten sind Rotkopfwürger (1991), Große Höckerschrecke (Arcyptera fusca) (ca. 2002) oder die Tagfalter Kleiner Waldportier (Hipparchia alcyone) (ca. 1993) und Regensburger Heufalter (Colias myrmidone) (ca. 2000).
Unter den Wirbeltieren ist der Anteil der ausgestorbenen Fisch-Arten besonders hoch (7 Arten). Hierbei handelt es sich überwiegend um weitwandernde Arten (z.B. Atlantischer Lachs Salmo salar), denen durch Querbauten in den Gewässern die Lebensgrundlage genommen ist.
Die Rote Liste der Gefäßpflanzen (2003) führt 51 Arten als „ausgestorben“ und 27 Arten als „verschollen“ auf, das sind 3 % der einheimischen Flora.
Von den in Bayern vorkommenden Moosen sind im Teil A (Alpen und Alpenvorland) 62 Arten (7 %) ausgestorben oder verschollen, in Teil B (übriges Bayern) sind es 80 Arten (9 %).

Verursacher des dramatischen Artenrückganges ist der Mensch. Die derzeitige Aussterberate liegt um 100 – 1000 mal höher als die unter natürlichen Bedingungen. Der tiefgreifende Landschaftswandel hat den einstigen Reichtum an biologischer Vielfalt drastisch reduziert. Entscheidende Ursachen sind insbesondere

    • Intensive Landnutzung, vorrangig der Landwirtschaft
    • Aufgabe traditioneller Landnutzungsformen
    • Eintrag von Schad- und Nährstoffen
    • Verbauung von Gewässern
    • Flächenverbrauch und Versiegelung
    • Zerstörung und Zerschneidung von Lebensräumen

Beunruhigung der Lebensräume durch Freizeit- und Erholungsbetrieb.

Mit dem vom Menschen verursachten Klimawandel ergibt sich eine neue und zusätzliche Dimension der Bedrohung der Biodiversität.

Einige Arten können als Rückkehrer in die Fauna Bayerns bezeichnet werden. Dabei handelt es sich vor allem um Tierarten, die aufgrund direkter Verfolgung durch den Menschen ausgerottet wurden. Seitdem diese Nachstellungen eingestellt wurden und auch dank Schutzbemühungen konnten Arten wie Fischadler und Seeadler ihre Areale wieder bis nach Bayern ausweiten. Darüberhinaus sind die Großraubtiere Luchs, Bär und Wolf anzuführen, auch wenn die aktuellen bayerischen Luchs-Vorkommen auf Aussetzungen in Tschechien zurückgehen bzw. von Bär und Wolf nur einzelne Grenzgänger auftauchen. Die Rückkehr des Bibers wurde ebenfalls durch Aussetzungen ermöglicht. Als Folgen der Klimaerwärmung lassen sich weitere Rückkehrer einschätzen (z.B. Zwergohreule) bzw. in Zukunft erwarten (z.B. Rotkopfwürger). Bei der Flora sind keine Wiederbesiedlungen bekannt

Der Mensch ist Teil der Natur. Schutz und Erhaltung der biologischen Vielfalt sind für die Menschheit von existentieller Bedeutung. Das Aussterben einer Art bedeutet einen unumkehrbaren und endgültigen Verlust.
Die heutige Biodiversität ist das Ergebnis einer Entwicklung über Milliarden von Jahren. Diesen Reichtum an Naturerbe zu bewahren, ist ethisch-moralische Verantwortung und Verpflichtung gegenüber nachfolgenden Generationen.
Die landestypische Biodiversität ist eng mit der landeskulturellen Entwicklung und dem Begriff „Heimat“ verwoben. Biologische Vielfalt erhalten, heißt die eigenen Wurzeln und die eigene Identität bewahren. Mitteleuropa ist im Vergleich zu anderen Regionen der Erde kein hotspot an Biodiversität, aber einzigartig in seiner kulturlandschaftlichen Vielfalt.
Die Artenfülle an Lebewesen stellt ein unermessliches Reservoir an genetischem Material dar. In Medizin und Pharmazie finden europaweit derzeit ca. 2.000 Pflanzenarten Verwendung, davon sind 1.200 Arten einheimisch. Biodiversität schließt die zahlreichen Nutztierrassen und Formen von Kulturpflanzen ein; diese sind ebenfalls Teil des Naturerbes.
Hohe Biodiversität bedingt eine hohe Erlebnisqualität und dient der Erholung. Touristisch besonders attraktive Landschaften zeichnen sich durch eine große biologische Vielfalt und landschaftliche Eigenart aus (“ Landschaft als Kapital“, z.B. Alpen, Bayerischer Wald, Rhön, Frankenjura). Der Stellenwert von eigenständigen oder geführten Naturbeobachtungen wächst zusehends, bis hin zu naturkundlich motivierten Fernreisen.
Intakte Ökosysteme erbringen enorme Umweltleistungen, z,B. durch Bestäubung von Kulturpflanzen, durch Selbstreinigung von Fliessgewässern, und sie tragen zum Schutz vor Naturkatastrophen bei, z.B. Moore und Auen vor Überschwemmungen. Die Schwierigkeit wirtschaftliche Werte von Biodiversität zu bestimmen, lässt keinen Rückschluss auf mutmaßliche Geringwertigkeit zu. Im Gegenteil: Eine aktuelle Studie beziffert den Wert für „ökologische Dienste“ der Natur auf 16-54 Billionen US-Dollar/Jahr. Im Vergleich dazu beträgt der Wert aller von Menschen produzierten Güter und erbrachten Dienstleistungen nur 25 Billionen US-Dollar/Jahr. Hinzu kommt, dass ca. 40 % der Weltwirtschaft auf biologischen Produkten oder Prozessen basieren.
Die Biodiversität ist schutzwürdig und schutzbedürftig, darüber besteht weltweit gesellschaftspolitischer Konsens. Dies manifestiert sich in zahlreichen internationalen und nationalen Konventionen und Gesetzesvorgaben.

Endemiten sind Arten, die lediglich in einem eng umgrenzten Gebiet oder in einer bestimmten Region vorkommen.
Beispiele für endemische Tierarten Bayerns – einschließlich grenzübergreifender Vorkommen – sind die Bayerische Kurzohrmaus (Microtus bavaricus), der Laufkäfer Trechus latibuli, die Hakensandzikade (Psammottetix unciger), die Spinne Zelotes zellensis, der Pseudoskorpion Chthonius alpicola, der Tausendfüsser Alpityphlus seewaldi, die Bayerische Quellschnecke (Bythinella bavarica) oder die Rhön-Quellschnecke (Bythinella compressa). Unter den Pflanzen sind u. a. das Bayerische Löffelkraut (Cochlearia bavarica), der Böhmische Enzian (Gentianella bohemica) und das Bodensee-Vergissmeinnicht (Myosotis rehsteineri) endemisch.

Neophyten und Neozoen sind Pflanzen- bzw. Tierarten, die erst nach Entdeckung der Neuen Welt, also erst ab etwa 1500 n. Chr., vom Menschen eingeführt wurden und sich z.T. eingebürgert haben.
Beispiele sind Waschbär, Bisam, Regenbogenforelle, Signalkrebs, Zebramuschel, Robinie oder Riesen-Bärenklau. Arten, die ihr Areal eigenständig erweitert haben, zählen nicht dazu, z.B. Türkentaube, Karmingimpel, Großer Feuerfalter (Lycaena dispar) oder Wespenspinne (Argiope bruennichi).

Für Arten, die in Bayern einen bedeutenden Anteil ihres Verbreitungsgebietes (Areals) – im Extremfall endemische Arten, die weltweit nur in Bayern vorkommen – oder stark isolierte Vorposten aufweisen, besteht eine besondere Verantwortlichkeit zum Erhalt dieser Arten.
Diese Verantwortlichkeit schließt auch derzeit ungefährdete Arten ein. Beispiele für Arten mit besonderer Verantwortlichkeit Bayerns sind – außer endemischen Arten – Bechsteinfledermaus, Sperlingskauz, Rotmilan, Amsel, Gelbbauchunke, Plumpschrecke (Isophya kraussi), Silbergrüner Bläuling (Polyommatus coridon), Arnika (Arnica montana) oder Klebriger Lein (Linum viscosum).

Als wesentliche Inhalte des prognostizierten Klimawandels gelten die globale Erwärmung, der Anstieg des Meeresspiegels, die Veränderung der Niederschlagsverteilung und das gehäufte Auftreten von Witterungsextremen. Konkrete Folgewirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität sind u.a. aufgrund der Komplexität von Ökosystemen nur bedingt vorhersagbar. Erhebliche Auswirkungen sind zwangsläufig aus der Tatsache abzuleiten, dass sich mit der Veränderung der Klimazonen auch die Vegetationszonen verschieben. Bei einer Temperaturerhöhung von 1°C ist von einer Verschiebung der Vegetationszonen um etwa 200-300 Kilometer in Richtung der Pole bzw. um 200 Höhenmeter auszugehen. In Europa existieren mittlerweile Felduntersuchungen und Modellberechnungen, die ein erstes Licht auf die Konsequenzen der Klimaerwärmung auf Lebensräume und Artengemeinschaften werfen. Demnach ist davon auszugehen, dass Artengemeinschaften fragmentiert und neu kombiniert werden; mit teilweisen Verlusten hochangepasster sensibler Arten (z.B. kälteangepasste Arten, Eiszeitrelikte) und Arealausweitungen gewöhnlicher Arten ist zu rechnen. Standvögel wie Blaumeise und Kohlmeise profitieren von milden Wintern und besetzen die günstigen Brutplätze. Für Langstreckenzieher (z.B. Trauerschnäpper) stellt sich zudem das Problem der Verschiebung (Desynchronisation) von Nahrungsangebot an Insekten und der Jungenaufzuchtphase, Positive Bestandsentwicklungen wärmeliebender Arten (z.B. Bienenfresser, Holzbiene Xylocopa violacea) und Zuwanderungen von Arten aus dem Mittelmeerraum sind bereits heute feststellbar. Die Mittelgebirge werden stärker als das Flachland betroffen sein. Die schwerwiegendsten Auswirkungen zeichnen sich für die an endemischen Arten reichen Alpen ab: Spezialisierte Pflanzen der Hochlagen werden zunehmend von Pflanzenarten tieferer Lagen verdrängt. Im globalen Vergleich dürfte die Biodiversität Mitteleuropas vergleichsweise glimpflich davonkommen. Dramatische Veränderungen und irreversible Verluste der Biodiversität sind z.B. in Trockengebieten, Mangrovewäldern, Gebieten mit Permafrostböden oder an den Polen zu befürchten. So drohen z.B. den Lebensgemeinschaften der antarktischen Gewässer unabsehbare Gefahren durch das Eindringen von Fressfeinden und Konkurrenten aus wärmeren Meeren, denen gegenüber die angestammten Ökosysteme und Arten keine Anpassungsstrategien entwickelt haben. Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimawandel (IPCC) (2007) geht davon aus, dass 25 – 30 % der Arten weltweit aufgrund des Klimawandels aussterben werden.

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