Gülle aus dem Wasserhahn

Intensivtierhaltung in der Kritik

Traktor bringt Gülle aus © dpa
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„Wir exportieren das Fleisch und die Gülle bleibt hier“. sagen Umweltschützer.

Zu viel Gülle

Strenge Dünge-Vorgaben schützen Grundwasser

Deutschland muss sich wegen mutmaßlicher Versäumnisse beim Grundwasserschutz einem Verfahren am Europäischen Gerichtshof (EuGH) stellen.
Die EU-Kommission habe Ende Oktober 2016 die im April angekündigte Klageschrift gegen die Bundesrepublik eingereicht, sagte ein EuGH-Sprecher. Zuvor hatte der WDR darüber berichtet. Nach Einschätzung der EU-Kommission hat es die Bundesrepublik seit Jahren versäumt, strengere Maßnahmen gegen die Gewässerverunreinigung durch Nitrat zu ergreifen. Die zuletzt 2012 übermittelten Zahlen sowie mehrere Berichte deutscher Behörden aus jüngster Zeit zeigten demnach eine wachsende Nitratverunreinigung des Grundwassers und der Oberflächengewässer, einschließlich der Ostsee.
Die Bundesregierung hat bestätigt, dass der Grenzwert für den Nitratgehalt des Grundwassers an immer mehr Orten in Deutschland überschritten wird. Nach einer Antwort des Umweltministeriums auf eine Frage der Bundestagsabgeordneten Bärbel Höhn (Grüne) lag der Anteil der Messstellen, an denen ein Nitratgehalt über dem gesetzlichen Grenzwert von 50 mg/l gemessen wurde, 2015 bei 18,1 Prozent. 2011 war dies erst an 15,4 Prozent der Messstellen der Fall gewesen. Inzwischen sind den Angaben zufolge fast ein Drittel aller Flächen in Deutschland betroffen. In Nordrhein-Westfalen (40 Prozent), Schleswig-Holstein (50 Prozent) und Niedersachsen (60 Prozent) ist der Anteil sogar noch deutlich höher.
Im Fall einer Verurteilung muss Deutschland im nächsten Schritt mit einer Geldstrafe rechnen. Die Höhe richtet sich nach der Dauer und Schwere des Verstoßes sowie der Zahlungsfähigkeit des betreffenden Staates. Gegen Deutschland sind Strafen in sechsstelliger Höhe pro Tag möglich.
Das Nachbarland Frankreich wurde wegen Verstoßes gegen die Nitratrichtlinie bereits verurteilt. Nach WDR-Informationen verhandelt Paris verhandelt derzeit mit der EU-Kommission über die Konsequenzen aus dem Urteil. Im Gespräch soll unter anderem eine Geldstrafe zwischen einer und drei Milliarden Euro sein.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hatte bereits zu Beginn 2016 massive Verzögerungen bei der Nitrat-Reduzierung kritisiert, die laut EU-Richtlinie umzusetzen ist. „Trotz der intensiven Diskussionen und des laufenden EU-Vertragsverletzungsverfahrens gegen Deutschland erleben wir eine seit Monaten andauernde politische Blockade“, beklagte Simon. Die seit 2013 mehrfach angekündigte Novelle der Düngeverordnung ist immer noch nicht verabschiedet. Mitte Oktober 2015 einigte sich die Koalition nach langem Ringen auf eine Reform.

Die Gülle unter Kontrolle bringen

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Eine Novelle der Dünge-Verordnung und des Dünge-Gesetzes steht weiter aus

Zudem werde der „Gülle-Tourismus“ aus Holland, Dänemark oder Belgien darin auch nur unzureichend eingeschränkt, so der Verband. „Aufgrund der langen Sicker- und Fließzeiten durch die Bodenschichten lässt sich Nitrat erst mit Verzögerung im Grundwasser nachweisen“, erläuterte Simon. Das heißt: Selbst, wenn ab sofort kein Nitrat mehr in den Boden gelangt, kann es Jahrzehnte dauern, bis der Nitratgehalt im Grundwasser wieder sinkt.

Es sollen die Zeiträume verlängert werden, in denen keine stickstoffhaltigen Mittel auf die Felder gebracht werden dürfen, wie aus einem im Dezember 2014 vom Bundesagrarministerium veröffentlichten Entwurf hervorgeht. Die geplante neue Verordnung ziele auf einen „guten Ausgleich zwischen Umweltinteressen und praktikablen Lösungen für die Landwirtschaft“, sagte Ressortchef Christian Schmidt (CSU).

Gülle führt zu hoher Belastung mit Stickstoff

Schwein
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Laut BUND werden die Bestände der Schweine in Deutschland immer größer (Beitrag vom 18. Februar 2013)

Mit ihren wachsenden Exporten in alle Welt richtet die deutsche Landwirtschaft aus Sicht des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) erheblichen Schaden an. „Wir exportieren das Fleisch und die Gülle bleibt hier“, sagte Verbandschef Hubert Weiger. In der Folge wachse die Stickstoffbelastung im Grundwasser, besonders in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, wo die großen Geflügel- und Schweinemäster sitzen. Die Bestände würden immer größer und der Antibiotikaeinsatz steige. Zudem drängten die Deutschen mit ihrer Wirtschaftsweise Kleinbauern in Entwicklungs- und Schwellenländern aus dem Markt.

In den Zielländern verhinderten deutsche Exporte, dass die Länder ihre eigene Ernährungswirtschaft voranbrächten und die eigenen Ressourcen nutzten. Als Beispiele nannte er die Ausfuhr von Geflügelresten nach Westafrika und von Milch nach Russland. „Man muss sich das mal vorstellen: Wir sind stolz, dass wir Nahrungsmittel nach Russland exportieren, eines der flächenreichsten Länder der Welt“, kritisierte Weiger.
„Das muss aufhören“, forderte der Umweltschützer. „Wir dürfen nur für Europa produzieren.“ Anstelle der Grundsätze der „Agrarindustrie“ müsse die einfache Richtschnur gelten: „Ich halte nur so viele Tiere wie ich auch durch meinen Boden ernähren kann.“
Glossar

Nitrat und Nitrit – zwei, die zu Krebs führen
Nitrat ist zwar nicht giftig, im Körper kann daraus aber Nitrit entstehen, das an der Bildung von krebserregenden Nitrosaminen beteiligt ist. Die Verbraucherzentrale Bayern rät, die Aufnahme von Nitrat zu begrenzen.

Mediathek

VideoNur mit Mischen erreichen viele die Grenzwerte
Viele Wasserversorger könnten den Nitratgrenzwert von 50 Milligramm pro Liter nur durch Notlösungen – das Mischen mit unbelastetem Wasser – unterschreiten. Drei Viertel des Trinkwassers in Deutschland werden aus dem Grundwasser gewonnen. (Beitrag vom 16. Juli 2015)

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