Was nutzen uns Frösche?

Vom Wert der Amphibienvielfalt

Amphibien besitzen Eigenschaften, die auch für den Menschen von großem Wert sind. Manche Zeitgenossen verwenden sie als Nahrung, andere sehen ihren Nutzen für die Landwirtschaft. Ein weithin unbekannter Wert liegt in den für medizinische Zwecke nutzbaren chemischen Ver­bindungen ihrer Hautsekrete.

Machte man eine Umfrage, welchen Nut­zen Amphibien für den Menschen haben, so würden die meisten Befragten wohl mit den Achseln zucken. Vielleicht fielen dem ein oder anderen noch Froschschenkel als besondere Delikatesse ein. Als nützlich jedenfalls wür­de sie wohl kaum jemand bezeichnen. Dabei macht es ausgesprochen Sinn, nach der Be­deutung von Amphibien für das Wohlergehen des Menschen zu fragen. Man kann es an die­ser Stelle schon vorwegnehmen: Der Nutzen von Frosch und Co. ist immens. Jedes Fachbuch zum Thema Amphibien offenbart, was Frösche, Kröten, Molche oder Salamander fressen. Und jedem Gartenbesit­zer fällt dabei sofort auf, dass er einigen von den dabei erwähnten Tieren aus dem Nah­rungsspektrum der Amphibien nicht gerade gerne in seinen Gemüsekulturen begegnet. Denn Amphibien fressen im Prinzip alles, was kleiner ist als sie selbst. In den meisten Fällen handelt es sich um wirbellose Tiere, zu denen Würmer, Insekten und deren Larven, Spinnen, aber auch Schnecken gehören.

Was Amphibien vertilgen, kann sich sehen lassen. Für ein kleines Naturschutzgebiet in der Nähe von Bonn hat man ermittelt, dass 75 Kilogramm (Biomasse) an Amphibien vor­handen waren. Daraus kann man schließen, dass diese in ihrem Leben etwa 750 Kilo­gramm Wirbellose gefressen haben mussten. Nähme man an, dass sich die Amphibien nur von 2 Milligramm schweren Mücken ernährt hätten, ergäbe dies die unglaubliche Zahl von 37,5 Millionen verzehrter Tiere. In den 1970er Jahren haben amerikanische Agrarökonomen versucht, den „Wert“ einer einzigen Aga-Kröte (Bufo marinus) zu ermitteln. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet, das von Südtexas über Mittelamerika bis in den Amazonasbereich reicht, wird die Aga Kröte als Schädlingsvernichter, speziell in Zuckerrohrkulturen, sehr geschätzt. Man errechnete damals einen ökonomischen Wert für die Landwirtschaft zwischen 20 und 50 US$ pro Jahr und Kröte. Leider hat man diese Krötenartin andere Teile der Welt verschleppt, wo sie als Fremdart häufig mehr Schaden als Nutzen erzeugte, ja sogar zur existenziellen Gefahr für andere Amphibienarten wurde. In tropischen Gegenden ist der Schädlingsdruck auf Kulturpflanzen durch ein erheblich höheres Vorkommen von Insekten deutlich größer als in gemäßigten Zonen.

Die Rolle, die Amphibien hier als Schädlingsvernichter spielen, muss als sehr bedeutsam eingeschätzt werden. Als ebenso wertvoll ist der Nutzen von Amphibien zur Eindämmung der Verbreitung von Tier- und  Menschenseuchen einzustufen. Bei einer Analyse des Mageninhaltes des Reisfelderbewohnenden Asiatischen Schwarzfleckenfroschs (Rana nigromaculata) stellte sich heraus, dass neben vielen Pflanzenschadinsekten Mücken und deren Larven einen gewichtigen Teil ihrer Nahrung ausmachen. Mücken übertragen bekanntermaßen in tropischen Ländern Malaria und andere gefährliche Volksseuchen. Aus Kotproben hier heimischer Frösche weiß man, dass auch sie Mücken und Fliegen in beachtlicher Menge vertilgen und so manchen Stich im Vorfeld verhindern.Amphibien treten in der Natur nicht nur als Räuber auf. Für viele andere Arten stellen sie willkommene Beutetiere dar und sind damit in allen Feuchtbiotopen der Erde wichtige Glieder in Nahrungsketten beziehungsweise Nahrungsnetzen. Sie stabilisieren maßgeblich das biologische Gleichgewicht, was direkt oder indirekt auch den umgebenden Kulturlandschaften, beziehungsweise der landwirtschaftlichen Produktion, wenn sie auf Pestizide verzichtet, zu Gute kommt.

Amphibien als Umweltindikatoren

Amphibien zeigen an, wie gesund unsere Umwelt ist. So sagt ihre Anwesenheit sowie die Artenzusammensetzung viel über die Qualität eines Lebensraumes aus. Im Naturschutz dienen einzelne Arten oft als so genannte Leit- oder Zielarten. Das bedeutet, dass natur- und umweltschützende Maßnahmen auf die Bedürfnisse dieser Zielarten abgestimmt werden, beziehungsweise ihre Wirkungsweise an solchen Arten gemessen wird. Amphibien leben im Wasser und an Land. Also können Einwirkungen von Schadstoffen auf beide Bereiche an Amphibien abgelesen werden. Die Eigenschaft, die sie so empfindlich auf Außeneinflüsse reagieren lässt, ist die Durchlässigkeit und Empfindlichkeit ihrer Haut. Welche Schadstoffe können das sein? Neben den Schadstoffen aus Industrie, Verkehr und Haushalten müssen hier vorrangig Einträge aus der Landwirtschaft genannt werden. Wenn zum Beispiel Gülle in zu großen Mengen und zu geringem Abstand zu Laichgewässern ausgebracht wird, kann dieser Stickstoffeintrag zum Verpilzen des Laichs, bei größeren Einträgen zum direkten Verenden der erwachsenen Tiere und zum Absterben ganzer Amphibienpopulationen führen.Aber nicht nur Folgen landwirtschaftlicher Schadstoffe werden durch Amphibien angezeigt.

Eine andere Natur gefährdende Wirkstoffgruppe sind Hormone. Als Medikament oder als Verhütungsmittel eingenommen, verlassen sie auf dem für Ausscheidungen üblichen Wege unseren Körper und eben auch unser Interesse. Klärwerke werden nur schwer mit diesen stabilen, schlecht abbaubaren Stoffen fertig. Schlecht abbaubar bedeutet, dass die hormonelle Wirksamkeit bestehen bleibt und es zu einer Anreicherung in der Natur und den Nahrungsketten kommt, an deren Ende wieder der Mensch steht. Amphibien sind höchst sensible Indikatoren für diese Hormonrückstände. Krallenfrösche der Gattung Xenopus werden deshalb heute als Bioindikatoren für den experimentellen Nachweis von Umweltverschmutzungen genutzt, weil sie bei diesen Tieren die Hodenentwicklung und die Ausprägung des Geschlechts beeinflussen. So konnten beispielsweise im Wasser eines Schwarzwaldflüsschens mit Hilfe des Krallenfrosches Xenopus laevis noch sehr geringe Hormonmengen nachgewiesen werden.

Wussten Sie eigentlich…

dass Krallenfrösche früher zum Anzeigen von Schwangerschaften genutzt wurden? Bis etwa 1975 standen in den Hinterzimmern der Apotheken Aquarien, in denen Frösche auf ihren „Einsatz“ warteten. Mit einer Injektion von Urin unter die Haut des Frosches konnte geklärt werden, ob die betreffende Frau schwanger war oder nicht. Legte der Lurch innerhalb von 24 Stunden Eier, bedeutete dies, dass die Frau sich in froher Erwartung befand. Die in dieser Zeit auch als Apothekerfrosch bekannte Amphibie reagiert auf das im Urin enthaltende Schwangerschaftshormon Gonadotropin. Jedes Jahr wurden tausende Exemplare vom Xenopus laevis, so lautet der wissenschaftliche Name des im südlichen Afrika beheimateten Frosches, gefangen und in die westliche Welt verkauft. Nachdem andere Schwangerschaftstests entwickelt wurden, kam es zu Massenfreilassungen dieser Amphibienart. Seitdem ist er in weiten Teilen der Welt verbreitet. Der Krallenfrosch machte nach seiner Zeit als Apothekerfrosch noch einmal „Karriere“, dieses Mal als Versuchstier in der Grundlagenforschung. Die einfache Haltung und die gute Kenntnis über seine Fortpflanzungsbiologie bescheren dem Krallenfrosch bis heute eine besondere Bedeutung in der Entwicklungsphysiologie und der experimentellen medizinischen Forschung. Wenn da nicht seine traurige Rolle als Verbreiter des Chytridpilzes wäre…

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